Linner Linde

Abkürzung?

Ich bin recht stolz auf mich. Hatte ich doch die tolle Idee, die Einwohner von Villnachern zu fragen, ob der Radweg über den Bözberg gut zu befahren ist. Und wie schon meine Schwägerin vorhin, schlugen mir die Damen an der Volg-Kasse vor, doch den Waldweg zu nehmen, mehr oder weniger gerade hinauf zur Linner Linde.

Natürlich fragte ich noch, wie der Weg denn sei. „Ja, ein wenig steinig“, meinten sie. Und ich fand die Idee recht gut und machte mich auf den Weg.

Merke: ein E-Bike ist kein E-Mountainbike und Wanderwege sind für Wanderer da.

Der Anfang lief recht gut. Da ich unbedingt die Linde von Linn sehen will, machte ich mir gar keine Gedanken über den Kiesweg, den ich jetzt befuhr und der immer steiler wurde. Es lief ja recht gut. Dann wurde der Weg schmaler. Und noch schmaler. Und wurde zur Grasnarbe, auf der es sich nicht mehr ganz so gemütlich fuhr. Und ich war noch immer nicht oben. Irgendwie muss ich mich verfahren haben.

Doch zurück bei dem letzten Abzweiger merkte ich: doch, das musste der Weg hoch nach Linn sein. Also überwand ich die Grasnarbe, denn wieder hinunter ins Dorf fahren, dazu war ich jetzt schon zu weit gekommen. Nun ja, ich hätte es mir vielleicht doch nochmals überlegen sollen.

Nach einer Weile wurde aus dem Grasnarbenweg wieder ein Waldweg. Es lag vielleicht daran, dass es jetzt Mittag und recht heiss war. Oder daran, dass mir der Weg auf der rechten Seite etwas zu sehr abfiel – ich schob mein Fahrrad jetzt. Und genoss das weg-von-allem sein irgendwie. Es fühlte sich wie die Sonntagsspaziergänge durch den Bannwald über unserem Dorf an, als ich noch zur Schule ging.

Der Weg führte leicht abwärts und umrundete den Berg. Ich war bestimmt bald oben. Aber nein, der Weg verzweigte sich. Ich konnte hinunter ins Tal gehen, verwarf den Gedanken wieder, obwohl die beiden Wege hinauf nach Linn steil anstiegen. Das konnte ja nicht lange so gehen. Ich musste doch fast oben sein.

Es geht aber lange. Und immer noch ein wenig steiler. Und dann auch noch einen anderen Weg entlang. Es ist heiss und anstrengend und ich habe jetzt die Schnauze voll, stelle mein Fahrrad mitten auf dem ansteigenden Weg ab und mache erst mal Mittagspause. Dabei schimpfe ich vor mich hin. Ich ärgere mich, dass ich wieder auf andere gehört habe. Dass ich nicht an meinem ursprünglichen Plan festgehalten habe. Dass Google Maps jeden blöden Weg als Radweg ansieht. Und dass ich so blöd gewesen bin, nicht auf die Qualität der Strasse zu achten, bevor ich mich zu weit vor wage. Nun, das war nicht das erste Mal. Auf einer Trainingsfahrt ist mir das auch schon passiert.

Einigermassen gestärkt, schiebe ich also mein Rad weiter bergan. Mache eine kurze Verschnaufpause und schob weiter.

Ihr könnt euch vorstellen, wie froh ich bin, als ich endlich wieder auf eine asphaltierte Strasse treffe und kurz darauf sogar bei der Linde stehe. Und ja, der Baum ist riesig und eindrücklich. Unter dem ausladenden Blätterdach stehen vier Bänke von denen aus man die Aussicht geniessen kann.

Für viele ist die Linde von Linn ein Kraftort, an dem sie ihre Batterien auftanken. Meins ist das nicht. Und eigentlich bin ich sogar enttäuscht, dass die Linde auf einem hohen Hoger steht und nicht im Flachland, wie ich mir immer vorgestellt habe, inmitten von sanft rollenden Hügeln.

Aber was solls, von hier aus kann es nur noch in eine Richtung gehen: hinunter zum Rhein.

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